Sonntag, 28. April 2013

Kapitel 3 (38)

Adolf Eichmann im Prozess 1961Psychologen haben immer wieder beobachtet und dokumentiert, dass zu schweren Gewalttaten neigende Straftäter ihren Therapeuten gegenüber ein fast perfekt ausgeprägtes, „erwünschtes“ Sozialverhalten zeigen. Immer wieder lassen uns nach grausamsten Sexualverbrechen oder Serienmorden erstaunte Nachbarn, Freunde, Familienangehörige via Fernsehen, Radio, Presse wissen, der Täter sei als angepasster, höflicher und unproblematischer Zeitgenosse in Erinnerung. Als sei nicht gerade diese Schonhaltung zum Vermeiden von Konflikten, diese Unfähigkeit, Konflikte als natürlichen Teil des Lebens zu erfahren und sehr unterschiedliche Strategien für deren Lösung zu entwickeln, das wahrhaft Besorgniserregende.

Eine Psychopathologie Adolf Eichmanns hat es deshalb nie gegeben, weil sein Verhalten lebenslang den Normativen eines brauchbaren, wenig auffälligen An-Gestellten entsprach. Seine Selbstwahrnehmung war entsprechend. Das liegt nun nicht etwa daran, dass Eichmann psychisch nicht gestört gewesen wäre, sondern daran, dass seine psychische Deformation massenhaft verbreitet, ja sogar als besondere Eignung für spezielle politische Ziele willkommen ist. Die Typen mit dem herzlichen Verhältnis zu Frau und Kindern und keinerlei persönlichen Aversionen gegen Juden, Russen, Deutsche, Katholiken, Protestanten, Andersfarbige, Schwule, Rechte, Linke oder überhaupt irgendwie „Andere“ drücken – mit dem reinsten Gewissen der Welt – auf den Knopf mit der Hunderttausend-Tote-Technik. Das gilt als gesund.

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